Hype um Kollagen: Wirkt Kollagen wirklich?

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Prof. Dr. med. Hisham Fansa 13. Februar 2026

Kollagen ist das wichtigste Strukturprotein unseres Bindegewebes – entscheidend für Hautelastizität sowie die Festigkeit von Knochen, Sehnen und Gelenken. Mit zunehmendem Alter nimmt die körpereigene Kollagenproduktion ab, was sich in Falten, erschlaffter Haut oder Gelenkbeschwerden bemerkbar machen kann. In den letzten Jahren hat der Trend zu Kollagenpulvern, Masken und anderen Nahrungsergänzungsmitteln stark zugenommen, oft begleitet von Social-Media-Hypes. Doch was steckt wirklich hinter diesem Trend und wie wirksam sind diese Produkte tatsächlich für unsere Haut? Wir haben Prof. Dr. med. Hisham Fansa, unseren renommierten Plastischen Chirurgen, um seine Einschätzung gebeten.

Prof. Fansa, warum ist Kollagen so wichtig für unseren Körper?

Kollagen ist ein wesentlicher Bestandteil der sogenannten extrazellulären Matrix, also alles, was nicht zu den Zellen gehört. Kollagen ist ein wesentliches Gerüst unseres Bindegewebes. Wir unterscheiden recht viele unterschiedliche Kollagenarten im Körper – je nach Funktion.

Kollagen ist momentan in aller Munde – in Pulverform, Masken und Cremes. Wie wirksam sind diese Produkte wirklich?

Es gibt ehrlicherweise keinen Nachweis einer Wirksamkeit, weder für oral eingenommenes Kollagen noch für auf die Haut aufgetragenes Kollagen.

Gibt es medizinisch belegte Alternativen zur Steigerung der Kollagenproduktion?

Ach, am Ende ist es recht simpel: Der Körper ist ein Wunderwerk. Er funktioniert in der Regel gut, wenn man ihn nicht ärgert. Vermeiden Sie daher Sonnenexposition ohne ausreichenden Lichtschutzfaktor (LSF), hören Sie mit dem Rauchen auf, vermeiden Sie Alkohol, treiben Sie in gesunder Umgebung Sport, ernähren Sie sich ausgewogen und schlafen Sie ausreichend. Dann hat der Körper die besten Voraussetzungen, gut erhalten zu bleiben. Personen mit Hauterkrankungen, sehr trockener Haut oder sehr öliger Haut profitieren von einer guten dermatologischen Einstellung; häufig ist jedoch bereits die Vermeidung von Noxen ausreichend.

Welche Verfahren eignen sich für langfristige Ergebnisse gegen Falten und erschlaffte Haut?

Man kann dezent mit Botox mimische Falten reduzieren. Mimische Falten sind Falten, die durch die Bewegung der Gesichtsmuskulatur entstehen. Mit etwas Hyaluronsäure-Filler oder Eigenfett kann man dem altersbedingten Volumenverlust begegnen, aber Vorsicht: Zu viel wirkt nicht gut, sondern künstlich.

In den letzten Jahren hat sich PRP (Platelet-Rich Plasma, auch als «Vampirlift» bezeichnet) etabliert. Es gibt dazu einige Studien, die eine lokale Kollagenverbesserung beschreiben, ob es tatsächlich wirkt, ist jedoch individuell.

Ab einem gewissen Alter kann man über eine Augenlidstraffung am Oberlid und/oder Unterlid oder ein natürliches Facelift und Halslift nachdenken. Die Ergebnisse sind natürlicher und dauerhafter als bei übermässigem Einsatz von Fillern. Die neue Natürlichkeit ist der Trend der Zeit.

Warum greifen so viele Menschen zu Kollagenpräparaten, obwohl die Wirkung begrenzt ist – was raten Sie Patientinnen und Patienten?

Ich glaube, viele erliegen den Verlockungen des Marketings solcher Produkte. Es wäre ja auch toll, wenn es funktionieren würde. Aber ehrlich: Sparen Sie Ihr Geld für einen sinnvollen und dauerhaften Eingriff bei einem guten und erfahrenen Plastischen Chirurgen oder einer Plastischen Chirurgin.

Fazit: Kollagenpräparate und Masken können unterstützend wirken, ihre Effekte sind jedoch meist eher wenig ausgeprägt und kurzfristig. Wer deutliche, nachhaltige Ergebnisse erzielen möchte, profitiert von medizinisch fundierten Behandlungen, die gezielt wirken.

Natürlichkeit im Fokus

Wer sichtbare Ergebnisse bei erschlaffter Haut oder Falten wünscht, kann auf medizinische Verfahren zurückgreifen. In der Gesichtschirurgie bieten wir verschiedene Behandlungen gegen Hautalterung an, darunter operative Straffungsverfahren wie das Facelift und Halslift sowie minimal-invasive Behandlungen zur Faltenreduktion und Volumenauffüllung mit Botox und Hyaluron.